22.03.2021 / 17:58 // ESA / RFA

Am 30.03.2021 lädt die Rocket Factory Augsburg (RFA) zu einer digitalen Eröffnungszeremonie seines neuen Hauptquartiers ein. Neben der Vorstellung der 1.500 qm Bürofläche und 3.500 qm großen Produktionsfläche erwartet die Teilnehmer der Veranstaltung die ein oder andere Keynote prominenter Vertreter der europäischen Raumfahrt. Neben den beiden Gründern Jörn Spurmann und Dr. Stefan Brieschenk werden der Generaldirektor der ESA Josef Aschbacher sowie dessen Vorgänger Jean-Jacques Dordain und der BDI-Abteilungsleiter für Sicherheit, Rohstoffe und Raumfahrt Matthias Johannes Wachter das Wort ergreifen. Eine Anmeldung zum Event ist noch möglich.

RFA entwickelt sogenannte Microlauncher, mit denen kleine Satelliten in den Orbit gebracht werden sollen. Bis Ende 2022 sollen die aktuell 85 Mitarbeitenden die ersten Prototypen der Rakete entwickeln und den ersten Start absolvieren. Ziel von RFA ist es, die Satelliten möglichst preiswert in den Orbit zu bringen. Rund drei Millionen Euro soll ein Flug kosten. Bei einer Transportlast von 1.300 Kilogramm sind das Kosten von 2.300 Euro pro Kilogramm. Der aktuell günstigste Anbieter Space X ruft 5.000 Dollar pro Kilogramm auf (rund 4.229 Euro).

Das geht nur, in dem RFA besonders kleine Raketen baut, die nicht – wie zum Beispiel die Ariane – 16 Tonnen ins Weltall bringen können, sondern nur einige hundert Kilogramm. Ähnliches versuchen übrigens auch Isar Aerospace oder HyImpulse. Außerdem soll eine automatisierte Serienproduktion bei der Optimierung des Kostenfaktors helfen. „Unser Triebwerk wiegt so viel wie ein Automotor, hat aber eine halbe Million PS. Wir unternehmen das Schwierigste, was man mit der Physik mechanisch anstellen kann – Temperaturen von 3500 Grad Celsius, Drücke von über 300 Bar. Jedes einzelne Molekül im Motor schwitzt“, so Gründer Brieschenk in einem Interview mit der Wirtschaftswoche.

Die dreistufige RFA One hat einen Durchmesser von zwei Metern und ist 25 Meter lang. Mit Treibstoff wird sie 50 Tonnen wiegen. Um die hohen Temperaturen zu überstehen, werden tausende kleine Kühlkanäle in die Motorwände eingebaut, die aus einem 3D-Drucker stammen.

Ebenfalls zur Senkung der Kosten soll die Errichtung eines eigenen Startplatzes beitragen. “Das ist der Hauptgrund, warum wir einen eigenen Startplatz benötigen, um diesen mit kleinstmöglicher Infrastruktur und schlanken Organisationsstrukturen zu betreiben. So können wir auch unseren Zielen von kurzen Startzeiträumen und einem Launch-Service mit komplettem Startdienstleistungsspektrum gerecht werden”, sagte Alain Pajonk, Head of Launch RFA, in einem Interview mit einem Magazin des Mutterkonzerns OHB.

Im Februar hatte RFA auf dem Capital Market Day von OHB außerdem zu einer weiteren Finanzierungsrunde aufgerufen, mittels der sie weitere 25 Millionen Euro Kapital einsammeln will. Kurz nach dem Aufruf erhielt RFA zusätzlich einen Forschungsauftrag der ESA.

Platz genug für den Expansionskurs ist auf dem neuen Betriebsgelände der RFA. Hier sollen bis zu 1.000 Mitarbeitende aktiv werden können.


via: RFA, OHB, Wirtschaftswoche, Immobilien Zeitung, Finanznachrichten