24.11.2021 / 23:45 / Verfasst von MWe über  ESA / NASA / OHB

Die Mission startete auf der kalifornischen Vandenberg Space Force Base. Am 24. November 2021 um 07:21 Uhr MEZ (Ortszeit Dienstag, 22:21 Uhr) hob eine Rakete vom Typ Falcon 9 (SpaceX) ab. Sie bringt die Sonde DART (Double Asteroid Redirection Test) zum Doppel-Asteroiden Didymos. Dessen Flugbahn stellt zwar keine Gefahr für die Erde dar, für eine Mission ist er dennoch interessant.

Doppel-Asteroid Didymos und Dimorphos;
© Naidu et al., AIDA Workshop, 2016

Sonde von der Größe eines Busses trifft auf Asteroiden von der Größe der Pyramiden von Gizeh

Denn der Doppel-Asteroid besteht aus zwei unterschiedlich großen Gesteinsbrocken. Um Didymos, den mit einem Durchmesser von ca. 780 Metern größeren der beiden, kreist mit Dimorphos (160 Meter, Spitzname Didymoon) ein kleiner Begleiter. Genau auf diesen zielt die Mission ab: Mit einem gezielten Einschlag der Sonde soll seine Umlaufbahn geringfügig geändert werden. Bis es soweit ist, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Erst im Herbst 2022 wird der Einschlag stattfinden. Dann befindet sich der Asteroid in “nur” elf Millionen Kilometer Entfernung zur Erde. Sofern alles klappt, wird Dimorphos anschließend Didymos etwa 10 Minuten schneller umrunden.

© NASA/Johns Hopkins APL

Kollaboration zwischen NASA und ESA: Nach DART kommt HERA

Die 290 Millionen Euro teuere Mission ist der erste Teil der Kollaboration AIDA (Asteroid Impact Deflection Assessment, Bewertung der Ablenkung von Asteroideneinschlägen) zwischen NASA und ESA. Die ESA-Folgemission HERA soll 2024 zum Doppel-Asteroiden starten und 2026 eintreffen. Ihre Aufgabe ist es dann, die Auswirkungen des Impacts zu untersuchen. Dafür führt sie zwei Cubesats mit, mit deren Hilfe zudem die Zusammensetzung des Asteroiden analysiert werden soll. Laut Patrick Michel, dem leitenden Wissenschaftler der HERA-Mission, soll mindestens ein Cubesat auf Dimorphos landen. Doch aufgrund der geringen Größe ist das kein einfaches Unterfangen.

Die Gravitation des Asteroiden beträgt in etwa ein Millionstel der Erdgravitation, mit einer geschätzten Fluchtgeschwindigkeit von lediglich 6 cm pro Sekunde. Eine der Gefahren ist also, dass der CubeSat schlichtweg abprallt und zurück ins All geworfen wird.

Patrick Michel, leitender Wissenschaftler Mission HERA
Künstlerische Darstellung der HERA-Sonde und der beiden mitgeführten Cubesats zur Analyse;
© ESA/Science Office

Die Mission HERA wird insgesamt 129 Millionen Euro kosten. Knapp die Hälfte davon übernimmt Deutschland. Geld, das aber in Form von Aufträgen wieder zurück fließt. So erfolgt der Bau der Sonde unter der Leitung von OHB, überwacht wird die Mission vom ESOC (European Space Operations Centre, Europäisches Raumflugkontrollzentrum) in Darmstadt aus. Das technische Modell des Präzisionsleit-, Navigations- und Kontrollsystems kommt hingegen aus Spanien, das Juventas-Radar aus den Niederlanden. Insgesamt beteiligen sich 17 ESA-Mitgliedsstaaten an der Mission.

Science Fiction wird zu atemberaubender Wissenschaft

Im Jahr 1998 startete Bruce Willis noch mit Space Shuttles ins All, um einem Asteroiden auf Kollisionskurs den Garaus zu machen. Die Waffe damals: Atombomben. Heute gibt es keine Space Shuttles mehr und Nuklearsprengköpfe ins All zu bringen, ist grundsätzlich eine schlechte Idee. Doch auch wenn Hollywood eine solche Mission deutlich überzeichnet dargestellt hat zeigt sich heute, dass sie möglich ist. Und sollte die Mission DART erfolgreich sein, wäre es das erste Mal in der Geschichte, dass Menschen die Bahn eines Himmelskörpers beeinflussen. Auch wenn die Ablenkung nur klein ist, hätten wir damit zumindest die Chance darauf, eine wirksame Gegenmaßnahme gegen einen drohenden Asteroideneinschlag zu ergreifen. Dass in diesem Falle Angriff die bessere Verteidigung ist, zeigt der Blick auf die Folgen der Asteroiden von Chicxulub, Tunguska und Tscheljabinsk.


via ESA, NASA

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