24.06.2021 / 10:53 // RFA

Wie Rocket Factory Augsburg in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat das Augsburger Unternehmen als erst neuntes weltweit erfolgreich ein Raketentriebwerk mit gestufter Verbrennung (staged combustion) in Originalgröße getestet. Darüber hinaus ist es das erste dieser Art, das in Westeuropa in Betrieb genommen wurde. Durchgeführt wurde der 2-sekündige Test im schwedischen Kiruna.

RFA successfully tests full-scale staged-combustion engine, YouTube

“Der erfolgreiche Test unseres gestuften Verbrennungstriebwerks in Originalgröße untermauert unseren Anspruch auf Marktführerschaft”, sagte Dr. Stefan Brieschenk, Chief Operating Officer des Unternehmens. “Mit unserer Technologie können wir bei gleichen Kosten für den Kunden 30 Prozent mehr Nutzlast ins All befördern”, ergänzt Jörn Spurmann, Chief Commercial Officer von RFA.

Möglich wird dies, da sich die gestufte Verbrennung durch höhere Wirkungsgrade und Leistungen im Vergleich zu herkömmlichen Konstruktionen von Raketentriebwerken auszeichnet. Die Rückführung teilweise unverbrannter Abgase aus der Turbopumpe in die Hauptbrennkammer vermeidet zudem die Freisetzung unverbrannten Treibstoffs und erhöht den Gesamtwirkungsgrad der Trägerrakete erheblich. Durch die effiziente Verbrennung des Treibstoffs (Kohlenwasserstoffe und flüssiger Sauerstoff) können die Startkosten gesenkt und gleichzeitig der CO2-Fußabdruck der Startaktivitäten minimiert werden.

Bekannt sind Triebwerke mit gestufter Verbrennung vor allem durch die bereits im Einsatz befindlichen Triebwerke von SpaceX und Blue Origin. Sowohl Raptor (SpaceX) als auch BE-4 (Blue Origin) setzen auf diese Funktionsweise, die das technologische Rückgrat einiger der erfolgreichsten Raumfahrtunternehmen der Welt bildet. Bisher wurde sie jedoch nur in China, Indien, Japan, Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten genutzt.

Mit dem erfolgreichen Testlauf kann nun auch RFA im globalen Wettstreit um kostengünstige Raketenstarts mithalten. Der 3-stufige Launcher ist 30 Meter lang und soll bis zu 1,6 Tonnen in den ISS-Orbit bringen können. In den geostationären Orbit (36.000 km Höhe) sollen immerhin noch 450 kg möglich sein. Der erste Start ist für Ende 2022 vom norwegischen Andøya Spaceport anberaumt. Im Gespräch sind aber auch Startplätze in der Nordsee sowie auf den Azoren.

Zur Vermarktung der Rakete schloss RFA eine Vereinbarung mit Exolaunch, einem deutschen Rideshare-Anbieter. Schon im März 2021 beauftragte die schwedische OHB-Niederlassung RFA mit dem Start eines Satelliten im Jahr 2024. Um diese Termine halten zu können, treibt RFA die Entwicklung aller notwendigen Komponenten unter Hochdruck voran.

Zwei geplante Meilensteine wurden bereits Anfang Mai dieses Jahres erreicht: Im so genannten “Power-Pack-Test” wurden Turbopumpe und Vorbrenner gestartet und über eine Gesamtbrenndauer von 8 Sekunden in einem stabilen, stationären thermomechanischen Zustand betrieben. Im nächsten Entwicklungsschritt wurden die ersten Zündungen der Hauptbrennkammer durchgeführt, woraufhin das Testteam das “Power-Pack” an alle Systeme des Full-Scale-Motors anschloss und den kompletten System-Level-Test durchführte.


via RFA, OHB, Exolaunch