19.05.2021 / 16:09 // ESA

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA sucht für ihre neue Mission eine passende Bezeichnung. Dabei geht sie in der Namensfindung neue Wege und setzt auf die Schwarmintelligenz. In einem Wettbewerb dürfen bis 17. Oktober 2021 Namensvorschläge eingereicht werden, mit der die Mission dann bezeichnet werden soll.

Die Regeln des Wettbewerbs in aller Kürze

Eingereicht werden dürfen Vorschläge von allen Staatsangehörigen der ESA-Mitgliedsstaaten, aus kooperierenden und assoziierten Staaten, der EU, Argentinien und Australien sowie den ISS-Partnerländern. Es sei denn

  • sie sind ESA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder
  • sie sind Zulieferer und Auftragnehmer der ESA oder
  • unmittelbare Familien- oder Haushaltsangehörige der oben genannten

Die Namensvorschläge müssen zwingend auf Englisch eingereicht werden und es dürfen nur Einzelpersonen teilnehmen – also keine Gruppen und/oder Unternehmen. Zur Einreichung ist eine E-Mail-Adresse erforderlich, wobei von jeder E-Mail-Adresse nur ein Vorschlag eingereicht werden darf. Wird ein Name mehrfach eingereicht, entscheidet der Zeitpunkt der Einsendung. Es gilt also: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Die ausführlichen Regeln des Namenswettbewerbes sind auf der ESA-Website zu finden.

Vorgaben für die Namensfindung der Mission

Anforderungen an den vorgeschlagenen Namen stellt die ESA ebenfalls. So darf keine der früheren Missionen als Bezeichnung vorgeschlagen werden, ebenfalls darf nicht gegen Urheberrechte oder Markenrechte verstoßen werden, auch Eigennamen sind unzulässig. Mehr als drei Wörter sind ebenso nicht erlaubt, wie Sonderzeichen. Und zu Guter letzt soll der Name auch den Zweck der Mission beschreiben.

Eine nicht ganz einfach Aufgabe, der man sich jedoch stellen kann. In unserem Deepspace-Artikel des Monats März sind wir einigen in der Raumfahrt verwendeten Namen bereits auf die Spur gegangen. Das Wissen um die Hintergründe ist sicher hilfreich zur Inspiration und zum Finden neuer Ideen.

Ziel der (noch) “No-Name”-Mission

Ziel der aktuell als “The no-name mission” oder “Lagrange” bezeichneten Mission ist das Aufspüren von potentiell gefährlichen Sonnenstürmen, bevor diese die Erde erreichen. Dafür wird eine Sonde an einem Lagrange-Punkt (L1) positioniert – einem Punkt im Bezugssystem Sonne-Erde, an dem sie synchron mit der Erde um die Sonne kreist. Dieser Punkt befindet sich rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt in Richtung Sonne und eignet sich bestens zur Sonnenbeobachtung. Von diesem Punkt aus sendet die Sonde kontinuerilich Daten an das Space Weather Service Network der ESA. Erkennt sie Sonnenwinde oder gar -stürme, soll sie Alarm schlagen.

Illustration von Sonden an den Lagrange-Punkten L1 und L5
© ESA/A. Baker, CC BY-SA 3.0 IGO

Denn die Auswirkungen, die Sonnenstürme auf unser Leben haben können, sind immens. Die den Plasmastrom bildenden Teilchen sind eine besondere Herausforderung für unsere moderne Technik, der diese nur bedingt standhalten kann. Dabei sind Sonnenstürme nicht nur eine Gefahr für Satelliten, sondern auch für Kommunikationssysteme und Stromnetze. Im Zweifelsfall drohen Katastrophen globalen Ausmaßes, wie ein Vorfall aus dem Jahr 1967 zeigt. Damals traf ein enormer Sonnensturm die Erde und legte drei US-amerikanische Radaranlagen des Atomraketen-Frühwarnsystems lahm. Dieser gleichzeitige Ausfall wurde als Sabotage der Sowjetunion interpretiert und der atomare Gegenschlag bereits vorbereitet. Der letzte größere Sonnensturm im Jahre 2012 beeinträchtige hingegen vor allem Satelliten.

So entstehen Polarlichter (Aurora borealis)

Immer wieder führen Eruptionen auf der Sonne dazu, dass besonders viele energiereiche Teilchen als Plasmastrom die Erde erreichen. Im Regelfall sind sie für uns harmlos, da das Magnetfeld der Erde uns vor der ihnen innewohnenden Strahlung schützt. Am magnetischen Nord- sowie Südpol, also dort, wo Feldlinien in die Erde ein- beziehungsweise aus ihr austreten, ionisieren die eintreffenden Elektronen und Protonen Sauerstoff- und Stickstoffatome der oberen Atmosphäre. Dadurch steigen deren Elektronen auf ein höheres Energieniveau, fallen aber nach kurzer Zeit wieder ab (Rekombination). Diese wieder frei werdende Energie wird in Form von Licht ausgesandt, es entstehen die typischen Polarlichter (Aurora borealis).

Polarlichter (Aurora borealis) in der Nähe von Thórsmörk, Island (29. Januar 2017)

via: ESA, MDR Wissen, NASA
Image Credits: Lagrange-Punkte © ESA/A. Baker, CC BY-SA 3.0 IGO