05.04.2022 / 09:42 // ASOC / Atos / OHB

Seit 24. Februar 2022 herrscht in Europa Krieg. Im ungerechtfertigten Angriffskrieg Putins auf die Ukraine spielt Satellitentechnologie eine bedeutende Rolle. So lassen sich zum Beispiel aus dem Weltraum Truppenbewegungen beobachten. SpaceX’ Starlink hingegen ermöglicht trotz zerstörter Infrastrukturen in der Ukraine den Zugang zum Internet. Nun rüstet auch die Bundeswehr auf: Und überführt das Weltraumlagezentrum der Luftwaffe vom Experimentalbetrieb in den operationellen Einsatz. Die Hard- und Software der Ausbaustufe 1 liefern Atos und OHB.

Verteidigung von kritischer Infrastruktur auch im Orbit

Das Air and Space Operations Center (ASOC) wurde erst am 21. September 2020 in Dienst gestellt. Aus ihm ging bereits am 13. Juli 2021 das Weltraumkommando der Bundeswehr (WRKdoBw) hervor, indem alle mit dem Weltraum verbundenen Aktivitäten der Bundeswehr gebündelt werden sollen. Das heißt letztlich nichts anderes, als dass auch die deutschen Streitkräfte überwachen wollen, was im All passiert. Die Vereinigten Staaten hatten mit der United States Space Force bereits im Dezember 2019 ein entsprechende militärische Abteilung in Dienst gestellt. Die Relevanz einer solchen Institution zeigt sich derzeit offenkundiger denn je. Denn es steht zu befürchten, dass Machtansprüche auf der Erde zunehmend in den Weltraum verlagert werden. Dabei sind Russland, Indien und China bereits in der Lage, Satelliten im Orbit gezielt zu zerstören, zu entfernen oder ihre Funktionsweise anderweitig zu beeinflussen.

Wappen WRKdoBw

In erster Linie soll sich das WRKdoBw der Überwachung von Satellitenbahnen widmen. Ein präzises Weltraumlagebild (Space Situational Awareness – SSA) ist für einen sicheren Betrieb im Orbit unabdingbar. Bei drohender Kollision oder zu starker Annäherung sollen Warnmeldungen ausgegeben werden. Gleichzeitig sollen jedoch auch die Weltraumsysteme der Bundeswehr geschützt – und im Zweifelsfall verteidigt – werden. Nationale und internationale Partner will man auf Anfrage ebenfalls unterstützen.

Auftrag erteilt, Volumen unklar

Im März vergab das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) den Auftrag zum Aufbau des Weltraumlagezentrums in der Ausbaustufe 1 an Atos und OHB. Die Laufzeit des Projektes beträgt 18 Monate, das Auftragsvolumen ist jedoch unbekannt.

Mit der Beschaffung und Integration von Hard- und Software wird das Weltraumlagezentrum befähigt, die Bundeswehr, Bundes- und Landesbehörden sowie nationale und internationale Kooperationspartner mit Weltraumlagediensten und -produkten zu unterstützen.

Dr. Dieter Birreck, Geschäftsführer OHB Digital Connect

Die gemeinsame Lösung von Atos und OHB wurde in Deutschland entwickelt und basiert auf europäischen Produkten. Wie Atos mitteilt, bilden Module einer bereits von anderen europäischen Ländern eingesetzten Software für Weltraummonitoring das Kernsystem. Die OHB Digital Connect GmbH, ein Tochterunternehmen des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB SE, wird die Komponenten “über eine operative Ebene die verschiedenen Softwarekomponenten zu einem an die aktuellen Gegebenheiten anpassbaren Gesamtsystem” zusammenfügen. Die Atos SE wird als Spezialist für Cybersecurity die verschiedenen Software- und Hardware-Komponenten zu einer Gesamtlösung integrieren. Zudem werden Schnittstellen zu externen Sensoren geschaffen. Darüber hinaus wird das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankreich die operative Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems sicherstellen.

Wir sind stolz, gemeinsam mit unserem Partner OHB, die Bundeswehr als langjährigen Kunden bei diesem wegweisenden Projekt zu unterstützen. Der Schutz von Satelliten trägt entscheidend zur Sicherheit der öffentlichen Ordnung bei. In Verbindung mit unserer Erfahrung im Bereich Weltrauminfrastruktur bietet unsere technisch modulare, innovative und europäische Lösung ein hohes Maß an Sicherheit. Somit begegnen wir den Herausforderungen, die die wachsende Zahl an Satelliten mit sich bringt.

Udo Littke, CEO Atos Deutschland und Leiter des Bereichs Public Sector and Defense Zentraleuropa

Sowohl Vertreter von Atos als auch OHB zeigen sich zuversichtlich, was die Leistungsfähigkeit des zukünftigen Systems betrifft. Hendrik Hanff, Projektleiter bei OHB: “Durch dieses Projekt wird unser Kunde ein Stück weit unabhängiger und kurzfristig in die Lage versetzt, potentielle Gefahren für zivilgesellschaftlich relevante Infrastrukturelemente frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen abzuleiten.“ Unternehmensangaben zufolge sollen alle Objekte im erdnahen Orbit katalogisiert und überwacht werden. Mit dem IT-System soll es zudem möglich sein, das Weltraumwetter zu beobachten. Ebenso angekündigt sind Vorhersagen darüber, ob Objekte wieder in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen.


via Atos, OHB, Bundeswehr

Written by (MWe)