21.07.2022 / 16:12 // Isar Aerospace

Bislang erfolgten von Kourou (Französisch-Guayana) aus in erster Linie die Starts der Ariane. Ab dem Jahr 2024 soll nun auch der Microlauncher Spektrum des Münchner Unternehmens Isar Aerospace von dort aus ins All fliegen.

Als erstes privat finanziertes Startunternehmen hat Isar Aerospace mit der französischen Raumfahrtagentur CNES (Centre national d’études spatiales, Nationales Zentrum für Weltraumforschung) ein verbindliches Abkommen für die Nutzung des Startplatzes in Kourou unterzeichnet. Laut eigenen Angaben sei man damit in der Lage, Kunden häufigere Starts anzubieten und gleichzeitig das Wachstum des Unternehmens zu sichern. Bevor die Starts erfolgen, soll am Startplatz “Centre Spatial Guyanais” (CSG) noch die entsprechende Infrastruktur errichtet werden. Mit der in Äquatornähe gelegenen Startrampe ist es möglich, das Angebot der mit der Spectrum zu erreichenden Orbits zu erweitern. Neben dem CSG wird Isar Aerospace auch eine Startrampe im norwegischen Andøya nutzen, von der aus auch der erste Testflug stattfinden wird.

Der Start von CSG ermöglicht es uns, unseren Kunden einen noch flexibleren Zugang zum Weltraum bei einer höheren Startfrequenz zu bieten. Wir freuen uns, dass wir unsere europäischen Partnerschaften weiter stärken konnten, um einen strategischen Zugang zum Weltraum zu ermöglichen.

Alexandre Dalloneau, Vice President Mission and Launch Operations, Isar Aerospace
Luftbildaufnahme des Startkomplex in Kourou, Französisch-Guayna; hier startet ab 2024 auch die Spectrum von Isar Aerospace; © CNES, CSG
Startkomplex in Kourou, Französisch-Guayna; © CNES, CSG

Isar Aerospace nutzt Startrampe mit bewegter Geschichte

Der Startplatz ist dabei durchaus geschichtsträchtig: Am 10. März 1970 startete von hier aus die Diamant, eine Vom ArianeGroup-Vorgänger SEREB entwickelte Trägerrakete. Seither ist der Startkomplex (Pad B) unter dem Namen Diamant bekannt, wurde jedoch 1978 geschlossen. Noch im September 2021 gab die ArianeGroup bekannt, dass man die Plattform reaktivieren und sanieren wolle. Nun wird Isar Aerospace das Erbe des Pad B antreten. “CNES freut sich sehr, Isar Aerospace für die Durchführung von Starts vom Startplatz Kourou Diamant willkommen zu heißen. Wir freuen uns auf die kleinen Trägerraketen, um die Ariane- und Vega-Aktivitäten zu ergänzen”, äußerte sich Jean-Marc Astorg, Direktor für Strategie bei CNES, zur Vereinbarung. Im Zuge einer offenen Ausschreibung unterzeichneten die Münchner ein verbindliches Term Sheet, welches die Grundlage für die Durchführung kommerzieller und institutioneller Starts vom CSG bildet.

Wir freuen uns, dass CNES uns als Startdienstleister von Kleinsatelliten ausgewählt hat, um Satelliten vom Raumfahrtzentrum Guayana aus zu starten. Mit der Aufnahme von Kourou werden wir unser globales Netz an kritischen Infrastrukturen weiter ausbauen und unseren Kunden noch mehr Flexibilität bieten.

Josef Fleischmann, COO und Co-Founder Isar Aerospace

Spätestens seit Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine und des damit verbundenen Wegfalls russischer Sojus-Raketen wird die Notwendigkeit eines unabhängigen europäischen Zugangs zum All laut diskutiert. Bislang verfügt Europa über keine nutzbare Startanlage außer Kourou in Französisch-Guayana. Neben der im Aufbau befindlichen Anlage in Andøya (Norwegen) gibt es auch Bestrebungen, Microlauncher von einer schwimmenden Plattform in der Nordsee aus zu starten [Astrodrom berichtete].


via Isar Aerospace, ArianeGroup

Written by (MWe)