Grünes Licht für Andøya Space

Im norwegischen Andøya soll ein Spaceport entstehen, von dem aus auch die deutschen Microlauncher-Hersteller Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg starten wollen. Jetzt gab die norwegische Regierung grünes Licht für das Vorhaben.

Mehr als 100 Unternehmen in Deutschland können aktuell der Raumfahrt-Branche zugerechnet werden. Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette von der Infrastruktur über die Bereitstellung von Services bis hin zur Auswertung von Daten abgebildet. Ein entscheidender und nach wie vor kritischer Faktor sind jedoch Raketenstartplätze. Zwar sollen zum Beispiel Valkyrie (GAIA Aerospace) oder Aurora (Polaris Raumflugzeuge) auf Flughäfen starten können, doch diese Vorhaben befinden sich noch in der Konzeptphase. Um vertikale Starts ermöglichen zu können, will die German Offshore Spaceport Alliance (GOSA) eine Plattform in der Nordsee etablieren. Im September 2021 unterzeichneten vier Unternehmen eine Absichtserklärung, die Plattform zu nutzen, unter ihnen auch HyImpulse und Rocket Factory Augsburg. Bis dahin setzen sowohl die Augsburger als auch der Münchner Microlauncher-Hersteller Isar Aerospace auf einen Startplatz in Norwegen. Dieser befindet sich derzeit noch im Aufbau, soll aber bereits 2022 in Betrieb gehen.

© Andøya Space

Betreiber des Startplatzes auf der arktischen Insel ist das Unternehmen Andøya Space. Im Juni 2020 signalisierte das norwegischen Parlament seine Bereitschaft zu dessen Unterstützung mit 282,6 Millionen NOK (ca. 28,8 Mio. EUR) Eigenkapital und Zuschüssen in Höhe von 83 Millionen NOK (ca. 8,47 Mio. EUR). Um die Finanzierung zu erhalten, musste Andøya Space jedoch nachweisen, dass das Eigenkapital dem Staat eine Rendite einbringt, die auch ein Marktinvestor akzeptiert hätte.

Wie Handels- und Industrieminister Iselin Nybø sagte, war „die Bearbeitung des Falles sowohl herausfordernd als auch zeitaufwändig.“ Zudem habe die Regierung die klare Erwartung, dass die im Geschäftsplan festgelegten Ergebnisse gemäß der Anforderungen auch erreicht werden. Dafür hatte Andøya Space im Vorfeld sein Geschäftsmodell angepasst und eine Dokumentation vorgelegt, die sicherstellt, dass die Finanzierungsbedingungen erfüllt sind. Denn diese müssen auch europarechtlichen Prüfungen standhalten und mit den Vorschriften des EWR-Abkommens für staatliche Beihilfen im Einklang stehen. Nachdem diese Meilensteine nun erreicht wurden, zeigte sich auch die Norwegische Ministerpräsidentin zufrieden.

Dies ist ein historischer Tag für Andøya und für Norwegen als Raumfahrtnation. Andøya Space wird ein Motor für den Wandel auf der Insel und in der Gemeinde sein und Nordnorwegen einen bedeutenden Schub geben. In kurzer Zeit wird Norwegen eines der wenigen Länder sein, die in der Lage sind, Satelliten von ihrem eigenen Territorium aus zu starten.

Erna Solberg, Ministerpräsidentin Norwegen
© Andoya Space

Norwegen verspricht sich vom Aufbau des Startplatzes auch wirtschaftlich positive Folgen. Bis zu 150 neue Arbeitsplätze sollen bei Andøya Space entstehen, weitere bei Zulieferern und Kunden. Dennoch sieht Nybø in der Investition nicht nur große Chancen, sondern auch große Risiken. Inwieweit die beiden ersten Kunden Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg diese mindern können und durch ihre Startaktivitäten weitere Kunden anziehen, wird sich zeigen. Derzeit ist der erste Start für das dritte Quartal 2022 anberaumt.


via Andøya Space, Kongsberg

Header Bild: Andøya Space
Verfasst von M. Weissflog
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