10.12.2021 / 07:10 // REFLEX Aerospace

Vor rund einem halben Jahr wurde das Berliner Unternehmen gegründet, nun ist es laut eigenen Angaben das am schnellsten wachsende NewSpace-Startup Europas. Wir sprachen mit Strategy & Business Architect Christian Williges über die Hintergründe dieses Erfolges.


Im Mai 2021 wurden nach und nach die ersten Corona-Maßnahmen gelockert. Während sich ein Großteil der Deutschen zumindest vorübergehend aus dem Würgegriff der Pandemie befreite, wurde der Kleinsatellitenbauer Reflex Aerospace gegründet. Das in Bayern ansässige Unternehmen öffnete in Berlin ein erstes Office um sich dort, im Mekka der Software-Startups, auf den Kern seiner zukünftigen Satellitenflotte zu konzentrieren: hochperformante Hard- und Software.

Die Idee dahinter: das gesamte Konzept – inklusive der Produktion – von Satelliten soll an die Lebenszyklen der digitalen Produkte und Services, die mit Satelliten erzeugt werden, angepasst werden. Was sich abenteuerlich anhört, sollte sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln. Doch beim Blick zurück kommen bei Christian Williges nicht nur Glücksgefühle auf. Vor allem die ersten Tage, Wochen und Monate seien extrem demotivierend gewesen, sagte er in unserem Interview. Mitarbeiter:innen zu gewinnen war zu dieser Zeit eine echte Herausforderung. Das lag seiner Ansicht nach vor allem daran, dass sie zunächst niemanden von ihrem Vorhaben überzeugen konnten. Als frisch gegründetes Startup gab es zwar von allen Seiten Interessensbekundungen – mehr aber auch nicht. Für das Management von Reflex  war dies jedoch kein Grund, von ihrer Maxime abzuweichen: Ein Kernteam zusammenzustellen, das über ausreichend Erfahrung verfügt.

„LinkedIn hat geglüht!“

Als Recruiting-Tool setzten sie vornehmlich auf Social Networks. Mit Erfolg: „LinkedIn hat geglüht“, erinnert sich Christian Williges. „Ich habe vielen Leuten geschrieben, und irgendwann hat es Fahrt aufgenommen.“ Den notwendigen Support erhielten sie dabei von ihren Investoren, die dem kleinen Team bei den technischen Screenings halfen. Durchgeführt wurden sie von einer Fachfrau, die auf 15 Jahre Erfahrung bei SpaceX zurückblicken kann. Für potenzielle Bewerber war das ein sicheres Zeichen dafür, dass das Unternehmen weit mehr als eine „spinnerte Idee“ ist, wie Williges es formuliert.

Waren die ersten zwei Monate noch “der Horror”, sei die Resonanz nun mittlerweile überragend. Ein Großteil der Bewerbungen entfalle zwar weiterhin auf ausgeschriebene Stellen, aber rund ein Fünftel seien Initiativbewerbungen, so Williges. Das ist insofern beachtlich, als dass auf der Website von Reflex Aerospace bisher recht wenig darüber zu lesen ist, was das Startup genau vorhat. Was dabei helfen kann, ist ein genauer Blick in die Stellenausschreibungen. Aber auch die Partnerschaften mit Isar Aerospace und Mynaric geben einen Hinweis darauf, wohin die Reise gehen könnte.

Mit einem Personalzuwachs von 500% in den letzten Monaten ist das Unternehmen zum Jahresende auf die Überholspur gewechselt. Das Ziel ist damit aber noch nicht erreicht. Wie Williges betonte, werden auch weiterhin zahlreiche Spezialisten gesucht, um den Satellitenmarkt auf den Kopf zu stellen.


Interview mit Christian Williges am 9. Dezember 2021

Written by (MWe)