Berliner SpaceTech LiveEO erhält 800.000 € von der ESA

Published on Fr, 21.04.2023 – 19:36 CEST in Financials, covering LiveEO

Ein kräftiger Kaffee, ein herzhafter Burger oder alternativ ein Veggie-Patty auf Soja-Basis – viele Produkte unseres Alltags verursachen Waldsterben und Artenschwund. Allein zwischen 1990 und 2020 wurden weltweit Waldflächen größer als die Fläche der Europäischen Union abgeholzt. Rund zehn Prozent davon entfallen auf den innereuropäischen Verbrauch von landwirtschaftlich erzeugten Gütern. LiveEO könnte nun Unternehmen bei der Umsetzung eines neuen EU-Gesetzes gegen die Entwaldung unterstützen.

Die ganze Geschichte

Mit einem neuen Gesetz zur Bekämpfung der weltweiten Entwaldung will die EU sicherstellen, dass für in der Union verkaufte Produkte Wälder weder abgeholzt noch geschädigt wurden. So gelten für Holz, Holzkohle, Kaffee, Kakao, Kautschuk, Palmöl, Rinder, Soja und Druckerzeugnisse neue Regeln. Wichtigster Bestandteil ist eine so genannte Sorgfaltserklärung, die von Lieferanten abzugeben ist. Darin bestätigen sie, dass die Produkte nicht von Flächen stammen, die nach dem 31. Dezember 2020 abgeholzt wurden. Ebenso, dass die Produkte nicht zur Schädigung von Wäldern und insbesondere von unersetzlichen Primärwäldern geführt haben. Die neuen Rechtsvorschriften gelten für Rinder, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja und einige Palmölderivate, Holz, Holzkohle, Druckerzeugnisse und Kautschuk. Betroffen sind auch Produkte, die diese Rohstoffe enthalten oder mit denen gefüttert wird, aber auch wie Leder, Schokolade oder Möbeln aus diesen hergestellt wurden.

EU-Verordnung nennt ausdrücklich Erdbeobachtung zur Bekämpfung der Entwaldung

Werden im Kampf gegen die Entwaldung künftig genauer überwacht: Palmöl-Plantage in Asien
Palmöl-Plantage in Asien

Dass raumfahrtbasierte Anwendungen zur Durchsetzung klima- und artenschützender Maßnahmen durchaus relevant sind, zeigt der Blick in die EU-Verordnung. So sollen unter anderem die von den europäischen Satellitenkonstellationen Galileo und Copernicus erhobenen Daten zur Kontrolle genutzt werden. Die Auswertung der zu überwachenden Flächen ist jedoch bei Weitem keine triviale Aufgabe. Und angesichts der weltweit vier Milliarden Hektar Wald würde es Menschen schlicht überfordern, Veränderungen zeitnah zu erkennen.

Das Berliner NewSpace-Unternehmen LiveEO hat sich darauf spezialisiert, mittels Künstlicher Intelligenz Satellitendaten auszuwerten. Im Fokus steht dabei das Vegetationsmanagement, das unter anderem die Deutsche Bahn nutzt. So ist es unter anderem erstmals möglich, die gesamten mehr als 33.000 Streckenkilometer auf in das Gleisprofil wachsende Vegetation zu überwachen. Auch der Energieversorger E.DIS setzt auf die Kompetenz von LiveEO und hat die Berliner mit der Vegetationsüberwachung des Mittelspannungsnetzes beauftragt.

Förderung im Rahmen der ESA Space Solutions

LiveEO Gründer Daniel Seidel (li.) und Sven Przywarra (re.);
© LiveEO
LiveEO Gründer Daniel Seidel (li.) und Sven Przywarra (re.);
© LiveEO

Um den Service auf neue Märkte ausweiten zu können, hat das Team um die beiden Gründer Daniel Seidel und Sven Przywarra im Rahmen des Projekts “RaumZeit – A generalised EO tech stack for asset monitoring across industries” 800.000 Euro von der europäischen Weltraumorganisation (ESA) erhalten. So soll das Angebot vor allem für die Forstwirtschaft und Versicherer weiterentwickelt werden. RaumZeit ist ein Demonstrationsprojekt und wird im Rahmen des ESA Business Applications Programms durchgeführt. Dieses Programm bietet Unternehmen, die innovative Ideen entwickeln, die auf der Nutzung von Satellitenanwendungen und Weltraumtechnologie basieren, finanzielle Unterstützung und Zugang zum ESA-Netzwerk. Bisher wurden im Rahmen der ESA Space Solutions mehr als 1.200 Unternehmen mit insgesamt rund 250 Millionen Euro unterstützt.

Header Bild: Free Footage
Verfasst von M. Weissflog
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Christian Kruppa
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