09.07.2021 / 13:52 // OKAPI:Orbits / Vyoma

Neben Airbus Space and Defence und Telespazio VEGA Deutschland dürfen sich auch die beiden deutschen NewSpace-Unternehmen OKAPI:Orbits und Vyoma am EU-Programm INTEGRAL beteiligen. Damit können sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den erdnahen Weltraum sicherer zu machen. Die Weltraumüberwachung (SSA, Space Situational Awareness) zielt darauf ab, Starts von Raketen, im Orbit befindliche Satelliten und Weltraumschrott exakt zu erfassen. So sollen Kollisionen vermieden und etwaige Bedrohungen vermieden werden. Zudem soll eine Frühwarnkomponente ermöglichen, Flugkörper- und Raketenabschüsse zu Aufklärungs- und Flugabwehrzwecken zu erkennen und zu analysieren. Das Projekt INTEGRAL soll 28 Monate dauern und umfasst einen Zuschuss der EU in Höhe von maximal 7,5 Millionen Euro.

Sowohl OKPAI:Orbits als auch Vyoma arbeiten bereits an Systemen, um automatisiert Kollisionen von Satelliten zu verhindern. Welch dramatische Auswirkung ein solcher Zusammenstoß hat, zeigte sich am 10. Februar 2009. An diesem Tag kollidierten erstmals in der Geschichte zwei Satelliten in der Erdumlaufbahn. In knapp 800 km Höhe trafen die Kommunikationssatelliten Iridium 33 und Kosmos 2251 aufeinander und wurden dabei vollkommen zerstört. Als Folge der Kollision bildeten sich rund 100.000 Bruchstücke, die über Jahrzehnte die Erde umkreisen. Davon weißen rund 2.000 Bruchstücke eine Größe zwischen 5 und 10 Zentimeter auf, stellen also eine ernstzunehmende Gefahr für die Raumfahrt dar. Ausweichmanöver von Satelliten, der Internationalen Raumstation ISS und Raumschiffen wie Sojus (Roskosmos) und Dragon (SpaceX) gehören bereits heute zum Alltag und sind unverzichtbar. Denn schlimmstenfalls können die Bruchstücke andere im Orbit befindliche Objekte treffen und eine Kettenreaktion auslösen, wodurch die sich bildende Trümmerwolke die Raumfahrt über Generationen unmöglich machen würde – der so genannte Kessler-Effekt.

Iridium-Kosmos-Trümmer 3 Stunden (links) und 2 Jahre nach dem Zusammenstoß (rechts);
© Brad Sease, Data Reduction for Diverse Optical Observers Through Fundamental Dynamic and Geometric Analysis

Hintergrund zu EDIDP

Im Rahmen des Europäischen Verteidigungsaktionsplans (Europäisches Programm zur industriellen Entwicklung im Verteidigungsbereich, European Defence Industrial Development Programme (EDIDP)) wurde beschlossen, die Entwicklung militärischer Produkte und Technologien finanziell zu unterstützen, sofern sich mindestens drei Unternehmen in mindestens drei Ländern der EU an einem bestimmten Projekt beteiligen. Der Entwicklungsphase schließt sich eine Forschungsphase an, welche jedoch nicht die Beschaffung militärischer Ausrüstung umfasst. Finanzielle Unterstützung, hauptsächlich in Form von Zuschüssen, wird zum Beispiel für den Entwurf, das Prototyping und das Testen von Verteidigungsprodukten gewährt. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit der im Verteidigungsbereich tätigen EU-Industrie zu erhöhen, wobei kleine und mittlere Unternehmen – vornehmlich mit Sitz in der EU – bevorzugt behandelt werden. EDIDP ist ein zweijähriges Programm (2019-20) und zielt darauf ab, die Bemühungen der EU-Verteidigungsindustrie bei der Entwicklung von Verteidigungsausrüstung und -technologien durch Kofinanzierung aus dem EU-Haushalt zu unterstützen. EDIDP verfügt über ein Budget von insgesamt 500 Millionen Euro für 2019 und 2020.

Hintergrund zu INTEGRAL

Das Projekt INTEGRAL (Innovative and iNteroperable Technologies for spacE Global Recognition and Alert) soll eine fortschrittliche, flexible und modulare Architektur für die Weltraumüberwachung (Command and Control, CS) untersuchen, entwerfen, prototypisieren und testen. Mittels Sensoren und optimierten Datensammlungen generierte SSA-Daten sollen so verarbeitet und verwertet werden, dass sich ein vollständiges militärisches Weltraumbild erstellen lässt. Die Dienste und Funktionen sollen größtmöglichen technologischen Nutzen bieten und sich auf innovative Algorithmen stützen. Basierend auf den Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz sowie Machine-Learning sollen die Grenzen der derzeitigen SSA-C2-Systeme überwunden und der Weg zur Erreichung einer europäischen Unabhängigkeit bei militärischer SSA geebnet werden.


via European Commission Defence and Space Industry, Vyoma, Ariane Group