31.03.2022 / 17:52 // Orbit Recycling

Das Europäische Innovationszentrum für Weltraumressourcen (ESRIC) forderte Start-ups bis Ende Januar 2022 auf, sich für eine Förderung im Rahmen des “Start-up Support Programme (SSP)” zu bewerben. Eines der fünf ausgewählten Jungunternehmen ist Orbit Recycling. Dessen Ziel ist es, Weltraumschrott zu recyceln.

Weltraumschrott als Rohstoff für eine Mondbasis

Seit Oktober 1957 starteten über 6.000 Raketen erfolgreich ins All. Dass vor allem der erdnahe Orbit nur begrenzt Platz bietet, dürfte dabei schon den Pionieren der Raumfahrt bewusst gewesen sein. Gleichwohl schob man das Thema der Entsorgung lange vor sich her, sodass heute Objekte mit einer Gesamtmasse von mehr als 9.800 Tonnen im Erdorbit treiben. Das ist nicht nur eine Gefahr für die ISS oder Satelliten, sondern für die Raumfahrt ingesamt. Während zahlreiche Konzepte darauf abzielen, Weltraumschrott gezielt in der Erdatmosphäre verglühen zu lassen, strebt Orbit Recycling eine Nachnutzung an. Denn im Grunde genommen sind zum Beispiel Oberstufen von Raketen wertvolle Rohstoffe, die man beispielsweise für den Bau einer Mondbasis nutzen kann.

Screenshot "Orbit Recycling - Turning Waste into Value", © Frank Koch, Orbit Recycling
Screenshot “Orbit Recycling – Turning Waste into Value”, © Frank Koch, Orbit Recycling

Wer sich mit dem Gründer von Orbit Recycling, Frank Koch, unterhält, wird zwangsläufig von dessen Begeisterung für das Vorhaben angesteckt. Dabei spart er nicht mit fachlichem Know-how, auf dem seine Idee beruht. Damit überzeugte er vor einiger Zeit bereits Expert:innen bei der ESA – und nun auch die Jury des SSP. Als eines von fünf Start-ups wird Orbit Recycling nun gefördert.

Bis zu 200.000 Euro Förderung möglich

Insgesamt gingen 33 Bewerbungen aus 17 Ländern der Welt ein. Die Bandbreite reichte dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Exploration über Abbau und Automatisierungstechnik bis hin Abfallwirtschaft oder Produktion. Aus dieser Liste wählte eine Jury insgesamt fünf Start-ups aus, die in den kommenden Wochen eine dreimonatige Phase der Vorgründung beginnen. Das heißt, dass sie ihre technischen Konzepte validieren und auf die Anforderungen des Marktes abstimmen. Dabei erhalten sie Unterstützung für die technischen und kommerziellen Aspekte ihres Vorhabens.

Nach dieser Phase wird das beste Projekt für eine zweijährige Inkubationsphase ausgewählt. In dieser soll das gewählte Start-up dann sein technisches Nutzenversprechen verstätigen und das Geschäftsmodell weiterentwickeln. Damit verbunden ist eine weitere Unterstützung, sowohl technisch als auch finanziell: Dem Start-up wird eine Finanzierung in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses von bis zu 200.000 Euro gewährt.

Dem folgt schließlich eine 36-monatige Aufbauphase, in der die technischen Entwicklungen weiter verfolgt sowie der Umsatz und die Kundenzahl weiter gesteigert werden sollen.

Luxemburg (abermals) als Innovationstreiber der Raumfahrt

Photo of Luxembourg City by Cedric Letsch

Eine besondere Bedeutung für die Förderung der Start-ups kommt dem Großherzogtum Luxemburg zu. Bereits vor einigen Jahren entschied sich der rund 600.000 Einwohner:innen zählende Staat dafür, verstärkt auf die Raumfahrt zu setzen. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Mittlerweile weist Luxemburg die höchste Dichte an Raumfahrtunternehmen in Europa auf. Das ESRIC gilt als Europas führendes Forschungs- und Innovationszentrum auf dem Gebiet der Weltraumressourcen und hat seinen Sitz in Esch-sur-Alzette, unweit der französischen Grenze.

Die Förderung im Rahmen des SSP erfolgt in Zusammenarbeit mit der Luxemburgischen Weltraumagentur (LSA), dem Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST), Technoport (Luxemburgs wichtigster Technologie-Inkubator) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Fünf Start-ups voller Enthusiasmus, Innovation und Unternehmergeist

Zur besonderen Stellung Luxemburgs äußert sich auch dessen Wirtschaftsminister Franz Fayot: “Als Teil der Initiative SpaceResources.lu festigt das ESRIC-Programm zur Unterstützung junger innovativer Unternehmen die Vorreiterrolle, die das Großherzogtum in diesem Bereich in Europa einnimmt, und trägt gleichzeitig zur Attraktivität und internationalen Sichtbarkeit des luxemburgischen Ökosystems der Raumfahrt bei.” Lari Cujko, Verantwortliche für den SSP bei ESRIC, ergänzt: “Wir hatten die Gelegenheit, die nächste Generation von Unternehmen im Bereich der Weltraumressourcen kennenzulernen, und waren von ihrem Enthusiasmus, ihren innovativen Ideen und ihrem Unternehmergeist beeindruckt. Die 33 eingegangenen Bewerbungen aus den unterschiedlichsten Bereichen belegen das Interesse an diesem Sektor und sein wirtschaftliches Potenzial.”

Bewertet wurden die eingegangenen Bewerbungen anhand von Kriterien wie der Relevanz des Projekts für den Markt für Weltraumressourcen und/oder die Wirtschaft, der Technologie, der Geschäftsziele, der Planung und Ausführung sowie des Projektteams.

Im Rahmen des SSP geförderte Start-ups

Start-upGeschäftsidee
Astroport Space Technologies
San Antonio (Texas, USA)
Astroport verwendet Mondstaub (Regolith) und stellt daraus Bausteine und Materialien für den 3D-Druck von Mondinfrastrukturen her. Ihr Fachwissen liegt in den Bereichen 3D-Baudruck, Standortvorbereitung, Regolithverarbeitung und -veredelung, Robotik und Weltraumarchitektur.
Anisoprint Sarl
Monnerich (Luxemburg)
Anisoprint arbeitet an der Entwicklung von Geräten, die den 3D-Druck von Werkzeugen, Komponenten, Reparaturteilen und Strukturelementen aus Verbundwerkstoffen unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit und geringen Schwerkraft ermöglichen. Ihr Projekt soll die Entwicklung, Gewinnung und Nutzung von Weltraumressourcen unterstützen.
Adventus Interstellar
Buenos Aires (Argentinien)
Adventus Interstellar konzentriert sich auf den Entwurf und die Konstruktion von Rover-Landesystemen auf der Grundlage von Tensegrity, d. h. dem “inneren Gleichgewicht” einer Struktur durch die Verteilung von Zug- und Druckkräften. Dank dieser Technologie möchte das Unternehmen zu sehr niedrigen Kosten Raumfahrtdienste einrichten.
Four Point Sp z o.o.
Wrocław (Polen)

Four Point zielt darauf ab, die Umweltauswirkungen von Tagebauen durch neue technologische Innovationen zu verringern, die sich auf Überwachung, Big-Data-Analyse und autonome Maschinen für Abbau und Transport konzentrieren.
Orbit Recycling
Berlin (Deutschland)
Orbit Recycling zielt darauf ab, Weltraumschrott aus der Erdumlaufbahn zu entfernen und ihn zum Recycling auf den Mond zu transportieren.

SSP wird in weiterer Runde fortgeführt

“Das SSP-Programm ist Teil der Perspektive, ein Ökosystem von technischen und kommerziellen Akteuren zu konsolidieren”, sagt Mathias Link, der Interimsdirektor von ESRIC. “Es ist eine der vier Säulen des ESRIC und wird dazu beitragen, wirksame Modelle der Zusammenarbeit mit Start-up-Unternehmen und die Entwicklung von Technologien für die Nutzung von Weltraumressourcen zu fördern. Diese Initiative ist für die Entwicklung des Sektors von entscheidender Bedeutung, und ich freue mich über das Interesse, das diese erste Aufforderung hervorgerufen hat.”

Nach der ersten erfolgreichen Aufforderung zur Bewerbung soll das Programm weiter fortgeführt werden. Die nächste Runde startet im Juni 2022. Die genauen Daten sollen während der Space Resources Week, die vom 3. bis 5. Mai 2022 in Luxemburg stattfinden wird, öffentlich bekannt gegeben werden.


via ESRIC, silicon LUXEMBOURG, Orbit Recycling

Written by (MWe)