15.05.2021 / 15:15 // CNSA

In der Nacht von Freitag auf Samstag (15. Mai 2021, 01:18 MESZ; 14. Mai 2021, 23:18 UTC) landete der chinesische Rover Zhu Rong erfolgreich auf der Oberfläche des Mars. Damit ist China nach den USA und der ehemaligen Sowjetunion die dritte Nation, der dies gelang.

Wie die staatliche Raumfahrtagentur CNSA berichtet, setzte der Rover in der Größe eines Golfcaddys erfolgreich im Utopia Planitia sanft auf der Oberfläche auf. In der Nähe landeten bereits 1972 die US-amerikanische Sonde Viking 2 und im Februar 2021 der Rover Perseverance, dessen an Bord befindlicher Helikopter Ingenuity am 19. April 2021 den ersten Flug auf einem fremden Planeten absolvierte.

Landestellen auf dem Mars

“Das wissenschaftliche Forschungsteam bestätigte über das vom Zhu Rong Mars-Rover gesendete Telemetrie-Signal, dass der Tianwen-1 Lander am 15. Mai erfolgreich im vorausgewählten Landegebiet in der Utopia-Ebene des südlichen Mars gelandet ist”

CNSA

Die sanfte Landung auf dem Mars ist ein wichtiger Meilenstein der chinesischen Raumfahrt, die ambitioniert voran getrieben wird. Schließlich will sich China auch im Weltraum als Supermacht positionieren, was der seit 2013 amtierende Staatspräsident Xi Jinping in seinem Glückwunschschreiben bekräftigte. Wie zu lesen war, “sollten die Wissenschaftler die Erforschung des Mars fortsetzen und die Entwicklung zur Weltraummacht beschleunigen.” Wie ernst dieses Vorhaben ist, zeigte sich unter anderem am kürzlich begonnen Bau einer eigenen, rein chinesischem Raumstation. Kritiker werfen China immer wieder vor, sich auch in der Raumfahrt nicht an internationale Standards zu halten. Besonders laut wurde die Kritik, als bekannt wurde, dass die zum Transport des ersten Moduls der Raumstation eingesetzte Oberstufe der Rakete Langer Marsch 5B unkontrolliert auf die Erde stürzen würde. Sie trat am 9. Mai 2021 um 04.24 MESZ in die Atmosphäre ein und stürzte wenige später in der Nähe der Malediven (2.65° N, 72.47° E) ins Meer.

Landestelle der Oberstufe von Langer Marsch 5B am 9. Mai 2021,
© Google Maps

Erfolgreiche Landung kein Garant für erfolgreiche Mission

Im Gegensatz zur NASA-Mission Mars2020 besteht Tianwen-1, so heißt die Mars-Mission der CNSA, aus mehreren Komponenten. Obwohl die Landung erst jetzt erfolgte, traf der Orbiter bereits am 10. Februar 2021 – und damit acht Tage vor der NASA – bei unserem Nachbarplaneten ein. Nachdem Orbiter und Lander sich getrennt hatten, setzte Zhu Rong zur Landung an. Trotz des im Vergleich zu US-amerikanischen Missionen unterschiedlichen Verfahrens mussten auch die Chinesen die “Minuten des Terrors” aushalten. Denn aufgrund der langen Signallaufzeiten zwischen Erde und Mars besteht keinerlei Möglichkeit, von der Erde aus in den Landevorgang einzugreifen.

Ein aufgrund einer zum Gespräch mit ausländischen Medien fehlenden Autorisierung nicht namentlich genannter Forscher erklärte: “Die Landung auf dem Mond beruht in erster Linie auf Raketentriebwerken, um abzubremsen, da der Mond keine Atmosphäre hat, während die erste Stufe der Landung auf dem Mars seine Atmosphäre als Bremse verwendet. Das ist ein großer Härtetest für die Struktur und die Hitzebeständigkeit des Landefahrzeugs, da es heftige Stöße und extreme Hitze aushalten muss, wenn es mit sehr hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre des Mars eintritt.”

In den kommenden 90 Tagen soll der Rover Informationen über die Oberfläche des Mars sammeln. Unter anderem soll er sich die Beschaffenheit des Bodens anschauen, nach Spuren von Wasser unter der Oberfläche suchen und das Oberflächenklima erforschen. Gelingt dies, zieht China in dieser Hinsicht mit den Vereinigten Staaten gleich. Denn obwohl die UdSSR mit Mars-3 bereits 1971 erfolgreich eine Sonde auf dem Mars landeten, brach die Übertragung der Signale 110 Sekunden nach der Landung ab.


via South China Morning Post, Reuters, Washington Post
Titelbild: The Red Planet, © Steve Jurvetson, CC BY 2.0